Feature über mich

Elisabeth Zuber-Knost hat einen facettenreichen Lebenslauf hinter sich. Begonnen hat
alles mit einem Jura-Studium in Wien – das ihr kaum eine Perspektive im eigentlichen
Sinne bot. "Ich habe Jura studiert und wollte in keinem Fall in einem Gericht arbeiten"
meint sie, denn ihre zukünftigen Arbeitskollegen wären ja nur "graue, unscheinbare
Männer". Trotzdem durfte sie aus ihrem Wissen schöpfen: Nach dem Studium kam sie nach Deutschland und arbeitete in verschiedenen Verlägen, auch in einem juristischen.

 

Bis nach drei Jahren eine Anfrage der damaligen Universität Karlsruhe sie erreichte, die eine Studienberatungsstelle aufbauen wollte. Der Erfolg des Modellversuchs blieb nicht aus, sodass die Beratung zur ständigen Institution wurde. "Damals nicht so bewusst" war Frau Zuber-Knost, welcher Grundstein damit gelegt wurde. Präsenter ist ihr die Tätigkeit als Frauenbeauftragte. "In einem Schlafzimmer der Nachtwache" befand sich ihr kleines und improvisiertes Büro, denn "das Amt der Frauenbeauftragten hat es ja früher nicht gegeben". Auf die Frage, was eine Frauenbeauftragte so mache, erhalten wir eine Antwort, die uns auf Anhieb zeigt wie
die selbstbewusste Frau tatsächlich tickt: Sie brennt für das, was sie mitprägen konnte. In diesem Fall ist es das Vertreten einer absoluten Minderheit an der technischen Universität Karlsruhe: Hiermit meint sie Studentinnen und die sehr rar vertretenen Professorinnen. Ziel war es für sie, mehr Frauen an die Uni zu kriegen. In den Augen von Frau Zuber-Knost scheint diese neue Einrichtung zu den wichtigsten Dingen zu zählen, die von ihr auf die Beine gestellt wurden.

 

Und so kommt es, dass sie so viel Kraft in die neue Aufgabe steckt, dass 1994 der damalige Rektor auf sie zukommt: "Die Öffentlichkeitsarbeit, die die Frauenbeauftragte macht, ist besser als die der Gesamtuniversität, das kann nicht so bleiben" – ob sie sich vorstellen könne, das Amt der Pressesprecherin zu übernehmen, wollte er wissen. Auch dieser neuen Herausforderung stellt sich die vielseitige Frau gerne. Sie bildet sich weiter, denn "man kann ja auch was lernen, man muss ja auch nicht alles studieren". Sondern auch Weiterbildungen machen. Und wieder einmal löst sie eine neue
Aufgabe mit Erfolg.


Mittlerweile spricht Frau Zuber-Knost wie ein Wasserfall, ist begeistert, dass sich jemand für ihre Arbeit interessiert und antwortet schnell auf Zwischenfragen. Sie gibt uns oft recht oder wiederspricht wenn es nötig ist, will genau schildern was sie erreicht hat. Doch nie reagiert sie positiv auf die Unterstellung, dass sie schon Beeindruckendes vollbracht hat, immernoch "ist es gar nicht so bewusst", und doch lobt sie ihre Arbeit indem sie ausführlich alles erklärt, Vor- und Nachteile nennt aber auch ehrlich zugibt, dass manchmal etwas nicht gleich geklappt hat. Immer wieder scheint ein sehr eigenes Frauenbild durch.

 

Das Thema, wie Frauen sich im Berufsleben verhalten und auch, wie präsent sie an der Universität sind, ist ihr wichtig. Was "typisch Frau" ist, kann sie für sich gut ausdrücken: Man verheimlicht oft was man kann, Frauen "planen nichts", wissen nicht, wo sie in einem bestimmten Alter stehen wollen. Das ist in ihren Augen der Hauptunterschied zu Männern im Berufsleben. Im Amt der Frauenbeautragten und Pressesprecherin nahm sie an hunderten Gremien und Konferenzen teil und konnte bald feststellen dass vielen dort auftretenden Menschen eine wichtige Kernkompetenz fehlt. Vor allem an Frauen möchte sie ein Wissen vermitteln, dass sie selbst als "Eigen-PR" betitelt und das genauer mit dem Begriff "Selbstmarketing"
umschrieben werden kann.


Obwohl die Dame bereits in Ruhestand gegangen ist, hat sie nicht weniger auf die Beine gestellt als vorher. Das eigene Unternehmen "Z-Konsult" hat sich als eine effektive und sie erfüllende Zeitgestaltung erwiesen. In Seminaren schult sie Menschen in deren Auftreten. "Zu mir kommen vorrangig Frauen, auch Männer", sie zeigt ihnen, wie sie sichtbarer werden, wie "ihr Profil etwas schärfer wird". Ziel ist ein besseres Auftreten in Gremien und dem beruflichen Umfeld – die anderen Teilnehmer sollen schließlich wahrnehmen, dass man da war. Und schon springt Frau Zuber-Knost auf, demonstriert ein negativ-Beispiel, in dem eine Frau den Raum unscheinbar betritt, sich hineinschleicht. So könne sie auf keinen Fall von den anderen Anwesenden wahrgenommen werden, schon gar nicht, wenn sie auf dem letzten Sitzplatz hinten im Raum sitzt. In Frau Zuber-Knosts Augen sind ein sicheres Auftreten und die Fähigkeit zu gutem Smalltalk essentielle Softskills im Berufsleben. Und genau diese Fähigkeiten, die zu einem einprägsamen Auftreten führen sollen, vermittelt sie in ihren Seminaren.
Sie zeigt uns dann live, wie ein ordentlicher Händedruck geht, rät uns dazu nicht immer NUR freundlich zu sein, und uns nicht nur auf unsere sekundären Aufgaben zu
konzentrieren: Fleißig sein kann nicht reichen – auch in Erinnerung muss man bleiben.
Ihr Wissen erlangt man in Sitzungen, Kunden sind mindestens 28 und die ältesten Mitte
50. Nur Studenten sind eher selten, aber auch mal dabei (schließlich "koste ich ja Geld").


Auch im Hochschulbereich ist Frau Zuber-Knost hin und wieder aktiv. Nur verbunden fühlt sie sich nicht unbedingt mit dem KIT. Sie möchte, dass ihre Kompetenz auch außerhalb des Hochschulbereichs, wo sie eh "jeder zweite kennt", wahrgenommen wird. Bis vor einem halben Jahr war ihr nicht bewusst, dass es auch an Werbung bedarf um Menschen zu erreichen. Seit dieser Erkenntnis bietet sie auch eigene Workshops ohne spezifische Anfrage an. Auf die Frage, was sie lieber mache, antwortet sie mit "beides gleich". "Eine kompetente Frau hat den Anspruch, dass sie immer etwas Neues macht" – auf die Teilnehmer zugeschnitten, konzipiert sie für jeden Schulungstag ein neues Programm.


Seit einem Jahr wird sie öfter gefragt: "Wollen Sie nicht ein Buch schreiben?" - mal
abwarten. Genug Stoff gäbe es auf jeden Fall und ein interessantes Kernthema allemal. Doch die spezifische Beratung fällt ihr wohl erst einmal leichter.
"Es gibt kein Rezept" um das Richtige für sich zu finden, aber Frau Zuber-Knost ist jemand "der für Neues zu haben ist". Alles ausprobieren ist ihr Schlüssel zum Erfolg. Denn "Lebenserfahrung kann man nicht googlen, man hat sie, oder man hat sie nicht." Sie sieht sie sich als beste Protagonistin für das "Ausprobieren". Sie hätte bei der EU landen können oder Bauingenierwesen studieren, was auch interessante Optionen für sie gewesen wären. Und doch ist Frau Zuber Knost völlig überzeugt von dem Weg, den sie gegangen ist und "hundertzehn Prozent" zufrieden mit ihrer jetzigen Tätigkeit. Denn im Consulting-Bereich profitiert man schließlich vom Alter, da man immer ernster genommen wird.


Am Ende des Gesprächs gibt sie uns den Hinweis "Eigen-PR findet eigentlich immer
statt". Ein guter Tipp für uns Geisteswissenschaftler, aber auch für jeden anderen
Studenten der sich erfolgreich im Berufsleben schlagen will.
Anna Grebhahn